Wenn Management-Stile kollidieren

8 Tipps für den Umgang mit Chefs

06.11.2016
Von Meridith Levinson und
Andrea König lebt als freie Journalistin in Hamburg. Arbeiten von ihr wurden unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und im Focus veröffentlicht, seit 2008 schreibt sie auch für CIO.de. Die Schwerpunkte Ihrer Arbeit für die CIO-Redaktion sind Themen rund um Karriere, soziale Netzwerke, die Zukunft der Arbeit und Buchtipps für Manager.
Statt lauter Kritik helfen oft subtile Signale, das Verhältnis zum Chef zu verbessern. Ein Anfang ist, über seine schlechten Witze einfach nicht mehr zu lachen.
Macht der Chef das nächste Mal einen fiesen Kommentar - ignorieren Sie ihn.
Macht der Chef das nächste Mal einen fiesen Kommentar - ignorieren Sie ihn.
Foto: Yuri Arcurs - Fotolia.com

Wer einen Chef hat, der zu verbalen Entgleisungen und Missmanagement neigt und seine eigenen Fehler auch mal auf die Mitarbeiter ablädt, muss das nicht akzeptieren, schreibt Meridith Levinson von unserer amerikanischen Schwesterpublikation CIO.com. Denn Management-Experten sind sich einig, dass Angestellte gegenüber ihrem Chef viel mehr Macht haben als sie oft denken.

Deshalb halten die Experten es für einen besonders klugen Karriereschritt, dem Vorgesetzten die Krallen zu stutzen. Das Verhältnis zum Chef zu verbessern, lohne sich, denn schließlich verbringe man viel Zeit im Job. Wer mit schwierigen Menschen arbeiten könne, sei ein besserer Mitarbeiter und Manager, sagt Consultant Bob Hewes im Gespräch mit Levinson.

Um das Verhältnis zum schwierigen Chef zu verbessern, empfiehlt Levinson die folgenden acht Schritte:

1. Den Chef nicht länger in seinem Verhalten bestätigen. Unbeabsichtigt bestätigen Manager oft das schlechte Verhalten ihres Chefs, zum Beispiel wenn sie über einen unangebrachten Witz oder Kommentar lachen. Experten empfehlen, solche Kommentare in Zukunft einfach zu ignorieren.

2. Positives Verhalten fördern. Genauso wichtig wie das Ignorieren des schlechten Verhaltens ist es, den Chef in gutem Verhalten zu bestärken. Experten raten, es den Chef bei gutem Verhalten spüren zu lassen, dass man so deutlich stärker mit ihm übereinstimme.

3. Dem Chef Einfühlungsvermögen zeigen. Manager sollten versuchen, sich einmal in ihren eigenen Chef hineinzuversetzen. Denn wenn sie selbst schon wenig Anerkennung vom Vorgesetzten erhalten, wie viel Anerkennung erhält dann wohl ihr Chef von seinem Vorgesetzten? Vielleicht verhält er sich seinen Angestellten gegenüber nur so, weil er es selbst nicht anders kennt.

Meridith Levinson hat auch mit dem Management-Experten Jim Finkelstein gesprochen. Er sagt, manchmal seien Chefs auch so, wie sie sind, weil sie privaten Stress ins Büro mitbringen. Finkelstein rät, direkt auf den Chef zuzugehen, etwa mit den Worten: "Sie wirken sehr gestresst. Kann ich Sie vielleicht bei den Dingen unterstützen, die Sie beschäftigen?"

Den Management-Stil des Chefs erkennen

4. Mit jemandem sprechen, der mit dem Chef klarkommt. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass mindestens einer der Kollegen gut mit dem Chef zurechtkommt. Experten raten, diese Person ganz direkt nach Tipps zu fragen, wie man am besten mit dem Chef umgeht. Es kann auch hilfreich sein, einen Dritten beobachten zu lassen, wie man sich dem Chef gegenüber verhält. Vielleicht erhält man so einige Anregungen, wie man sein Verhalten dem Chef gegenüber ändern kann.

5. Den Management-Stil des Chefs erkennen. Wenn man eine dritte Person gebeten hat, sich selbst im Umgang mit dem Chef zu beobachten, fällt immer wieder auf, dass unterschiedliche Management-Praktiken für die Konflikte verantwortlich sein können. Denn ist man selbst eher Prozess-orientiert, wird man es mit einem Ergebnis-orientierten Chef schwer haben. Wer sich unsicher ist, fragt am besten direkt beim Vorgesetzten nach, an welchen Informationen dieser besonders interessiert ist. Sind es die Ergebnisse, sollte man sich zukünftig nicht zu lange damit aufhalten, wie man sie erreicht hat.

6. Eine Sache finden, die man am Chef mag. So wenig man mit dem eigenen Chef zurechtkommt, eine Sache kann er sicherlich richtig gut, zum Beispiel Risiken vorhersehen. Es kann die Beziehung zum Chef verbessern, ihm zu dieser Fähigkeit ein Kompliment zu machen, schreibt Levinson. So ein Kompliment sollte ernst gemeint sein, sonst könnte der Chef sich schnell veralbert vorkommen. Kommt das Kompliment gut an, stehen die Chancen gut, dass es beim Chef positives Verhalten auslöst.

7. Die Kollegen ins Boot holen. Wenn die Kollegen dem Chef gegenüber ähnlich empfinden wie man selbst, könnte man sich zusammentun, um das Verhalten des Chefs zu verbessern. So kann man sich zum Beispiel gemeinsam darauf verständigen, unangebrachte Kommentare oder Witze in einem Meeting zu ignorieren. Das wird beim Chef einen stärkeren Eindruck hinterlassen, als wenn nur eine Person nicht auf sein schlechtes Verhalten reagiert.

Formale Feedback-Schleife nutzen

8. Formale Feedback-Schleifen nutzen. Viele Unternehmen fragen Manager regelmäßig nach ihrem Feedback, schreibt Levinson. Wer in einem Unternehmen arbeitet, in dem die HR-Abteilung regelmäßig ihre Manager um Feedback bittet, dem raten Experten, diese Möglichkeit auch zu nutzen.