Agile Architektur

8 Bausteine einer modernen IT-Architektur

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Mindestens jeder dritte CIO betrachtet seine veraltete IT-Architektur als "technische Schuld". Die Berater von Bain skizzieren ein Modell für eine agile Architektur.
  • Eine IT der zwei Geschwindigkeiten ist nicht die Lösung – keine Ebene darf bremsen
  • Die Zukunft gehört lose gekoppelten Systemen
  • Unternehmen sollten sich vom eigenen Rechenzentrum verabschieden
  • Automatisch konfigurierbare Infrastrukturen (Infrastructure-as-a-Code) gewinnen stark an Bedeutung

Sisyphos, der tragische Held mit dem Felsbrocken, der immer kurz vor dem Berggipfel wieder herunterrollt, steht Pate für die Studie "Mehr Tempo, weniger Altlasten: IT-Architektur im digitalen Zeitalter". Bain & Company hat dafür rund 150 Entscheider aus den westlichen Industrienationen befragt, aufgeteilt in die Branchen Banken, Versicherungen, Handel und Konsumgüter.

Wie Bain & Company erhoben hat, betrachten viele CIOs ihre IT-Architektur als Hypothek.
Wie Bain & Company erhoben hat, betrachten viele CIOs ihre IT-Architektur als Hypothek.
Foto: Bain & Company

Der Link zu Sisyphos ergibt sich aus dem Statement rund jedes dritten Teilnehmers, wonach seine IT "trotz aller Erfolge in den vergangenen Jahren noch nicht ausreichend gerüstet ist, um die Ziele ihrer Kunden zu erreichen". Als Stolperstein gilt die veraltete Architektur. Zwischen 35 Prozent (Handel) und 63 Prozent (Banken) sprechen von einer "technischen Schuld", die zunehmend anwachse.

Die 8 Bausteine einer agilen IT-Architektur

Eine zeitgemäße und agile IT-Architektur basiert laut Bain auf acht Bausteinen.

1. Hochgeschwindigkeitsarchitektur

Bain warnt vor einer "IT der zwei Geschwindigkeiten". Keine Ebene dürfe bremsen. Legacys müssten für eine einheitlich hohe Geschwindigkeit nachgerüstet werden.

2. Kanäle und Endgeräte

Im Jahr 2020 wird es vom Laptop bis zum Dash-Button für Bestellungen rund 35 Milliarden Endgeräte weltweit geben, schätzen die Berater. Kunden beziehungsweise Anwender aller Art müssen reibungslos zwischen den Kanälen hin- und herwechseln können. "Mobile first" ist selbstverständlich.

3. Anwendungen

Die Zukunft gehört lose gekoppelten Systemen, so Bain. Microservices spalten komplexe Anwendungen in einzelne Bestandteile auf. Damit steigern Unternehmen Agilität, Stabilität und Skalierbarkeit. Dieser Trend basiert auf dem Konzept von Software-as-a-Service mit seinen transparenten Bereitstellungs- und Abrechnungsmodalitäten.

4. Anwendungs- und Entwicklungsplattformen

Anwendungsplattformen dienen zunehmend zur Integration von Anwendungen verschiedenster Hersteller und eigenen Entwicklungen. Entwicklungsplattformen müssen möglichst viele Tools reibungslos integrieren können. Laut Bain setzen Entscheider immer stärker auf Platform-as-a-Service (PaaS). Der Markt werde sich bis 2019 auf 23 Milliarden US-Dollar verdoppeln, rechnen die Berater aus.

5. Daten

Jedes Jahr wächst die Datenmenge um schätzungsweise 36 Prozent. Die Informationen müssen mit immer anspruchsvolleren Analyse-Tools verarbeitet werden. Bain betont hier die Bedeutung neuer Konzepte wie Data Lakes, um unstrukturierte Daten und Massendaten aus heterogenen Quellen besser analysieren zu können. Mehr als drei von vier Studienteilnehmern (76 Prozent) arbeiten bereits mit Hadoop. Weitere Stichworte sind In-Memory-Technologien wie SAP Hana.

6. Infrastruktur

Bain plädiert für den Abschied vom eigenen Rechenzentrum. Die Cloud setze sich als "Infrastruktur des digitalen Zeitalters" durch. Mehr als 60 Prozent der Studienteilnehmer nutzen zwei oder mehr Infrastruktur-Anbieter, es führen Amazon Webservices, Microsoft Azure und Google Cloud. Insbesondere nicht-geschäftskritische Daten lassen Public-Cloud-Anbieter wachsen. Die Zukunft liegt laut Bain in automatisch konfigurierbaren Infrastrukturen (Infrastructure- as-a-Code).

7. Sicherheit

Die meisten CIOs zählen Cybersecurity zu den drei wichtigsten Themen auf ihrer Agenda, schreibt Bain. Seit 2009 ist die Zahl der Angriffe jedes Jahr um 66 Prozent nach oben gegangen. Wer sein Unternehmen schützen will, darf sich nicht mehr auf einzelne Anwendungen spezifizieren, sondern braucht ein ganzheitliches Konzept, das alle Lieferanten und alle Empfänger der Daten einbezieht. Bain erwartet einen Trend hin zu Security-as-a-Service.

8. Integration

Systemintegration mit Enterprise Service Bus wird "einer wesentlich schlankeren Integration" weichen, so Bain, nämlich der mithilfe von Microservices etwa über Message-Broker. Egal, welche Branche: Ein ganz großes Thema ist die Integration von Legacys. Um das zu managen, brauchen Unternehmen Enterprise-Architekten, starke Programm-Manager und Sourcing-Spezialisten. In Sachen Sourcing erwartet Bain eine Verkleinerung und Spezifizierung der Verträge. "Vorbei sind die Zeiten der Vergabe der gesamten Wertschöpfungskette an einen Generalunternehmer", schreiben die Berater. Der Grundgedanke des Best-of-Breed werde auf die Partner übertragen.

 

hirnwuehler

Solange das Management "Endgeräte fixiert" bei jedem neuen Gadget mit an vorderster Front gleich von Anfang an "mitspielen" wollen und der Technik nicht die Zeit geben dies auch betriebssicher bereit zu stellen (so anscheinend deren aktuelles Verständnis von Agile und devops) wird sich hier nicht viel ändern.
Sicher gibt es viel zu Viele veraltete IT (Infra) Strukturen wobei die meisten aufgrund von falsch verstandenen Sparzwängen selbst geschaffen wurden.
Die wenigsten besitzen den Mumm dies zuzugeben und geben "postfaktische" Statements und Parolen heraus.
... Alles wird gut...

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