Mobile World Congress

70.000 Besucher zum Mobile World Congress erwartet

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Für eine Woche ist Barcelona wieder der Mittelpunkt der Mobilfunkwelt: Seit heute hat der Mobile World Congress für Fachbesucher seine Pforten geöffnet. Während die Consumer primär den Vorstellungen neuer Smartphones und Gadgets entgegenfiebern, diskutiert das Fachpublikum über neue mobile Business-Modelle sowie Techniktrends.

Rund 70.000 Besucher erwartet die internationale Mobilfunkvereinigung GSMA zu dem von ihr in Barcelona veranstalteten Mobile World Congress (MWC). Unter den Motto „The new horizon" zog die Veranstaltung in der spanischen Mittelmeer-Metropole vom alten Weltausstellungsgelände aus den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, das zum Schluss aus allen Nähten platzte, um auf ein komplett neues Messegelände. Als einer der wenigen Messeveranstalter kann die GSMA im Internet-Zeitalter kontinuierlich steigende Besucher- und Ausstellerzahlen verbuchen.

Für die von Arbeitslosigkeit und Eurokrise gebeutelte katalanische Großstadt ist der Mobile World Congress mittlerweile eine wichtiger Wirtschaftsfaktor und Innovationstreiber. Barcelona, das fünf Jahre lange als „Mobile World Capital" gilt, nachdem München in der Bewerbung um diesen Titel unterlag, ist beispielsweise early adaptor und Testgelände für neue Mobilfunktechnik.

Dieses Jahr steht hier beispielsweise die NFC-Technik ganz im Vordergrund. Restaurant, Boutiquen, Museen, Banken, Hotels und die Messe selbst haben sich zu einem riesigen Showcase zusammengeschlossen, um den Besuchern das Business-Potenzial der neuen Technik in Verbindung mit Smartphones zu demonstrieren. Dazu gehören etwa ein vereinfachter Messezugang, Voucher, elektronische NFC-Discounts beim Shopping, lokale NFC-Apps etc. Ein Messevergnügen, von dem allerdings iPhone-Benutzer ausgeschlossen bleiben, denn die Innovationsschmiede aus Cupertino unterstützt bislang im Gegensatz zum Rest der Smartphone-Branche noch immer kein NFC.

Auch wenn etliche große Hersteller, wie etwa Samsung, ihre Smartphone mittlerweile auf eigenen Haus-Events vorstellen, sind im Laufe der Messewoche etliche Handyneuerscheinungen zu erwarten. Im Trend dürften dabei zahlreiche Android-Neuerungen liegen, die das preisliche Mittelfeld adressieren. Ebenso ist zu erwarten, dass das Feld der günstigen Smartphones und Featured Phones von den Herstellern verstärkt adressiert wird – im Segment der Featured Phones auch mit eigenen Betriebssystemen wie dem neuen Firefox OS. Aus dem Blackberry- und Windows-Phone-Lager ist dagegen wenig Neues zu erwarten, da diese bereits vor dem Messe ihre Neuigkeiten vorstellten.

Rein technisch betrachtet prägen die Messe vor allem drei Themen: VoLTE, Mobile Offload sowie der Dauerbrenner BYOD. Nachdem bereits erste Carrier erfolgreich die Sprachübermittelung (Voice) über LTE getestet haben, soll dieses Feature in naher Zukunft in den Netzen Einzug halten. Zur Zeit muss ein 4G-Smartphone noch aus dem schnellen LTE-Datennetz in das langsamere GSM-Netz wechseln, um einen Sprachanruf zu tätigen. Ein anderes großes Thema der Messe ist die Frage nach dem Mobile Offload.

Obwohl in den meisten Ländern, Deutschland hat hier beim mobilen Breitbandausbau ausnahmsweise einmal eine Vorreiterrolle, LTE noch nicht ausgerollt ist, zeichnet sich schon heute ab, dass LTE sehr schnell an seine Auslastungsgrenzen gelangt. Und daran wird auch LTE Advanced mit Bandbreiten über 100 Mbit/s nichts ändern. Deshalb diskutieren Carrier und Technologiefirmen auf dem MWC Möglichkeiten des Mobile Offload. Eine Technik, die hier von Interesse ist, ist das neue Gigabit-WLAN gemäß IEEE 802.11c.

Ein Messedauerbrenner ist auch in diesem Jahr das Thema BYOD. Egal ob, Carrier oder Technologieanbieter, fast jeder namhafte Aussteller hat hierzu entsprechende Lösungsansätze im Gebiet.

Unsere Kollegen berichten direkt vor Ort aus Barcelona. (hi)