Streit zwischen HP und Oracle

7 Dinge, die Sie über Itanium wissen sollten

02.08.2011
HP will seinen früheren Partner Oracle per Klage zwingen, Intels Itanium-CPUs weiter zu unterstützen. Warum ist Itanium für HP so wichtig und was sollen VMS-Kunden jetzt tun?
Foto: Wikimedia Commons

Der Streit zwischen Hewlett-Packard und Oracle über die Server-Prozessor-Plattform Itanium eskaliert. Käme das Aus für Itanium, wären davon besonders Anwender des einst von Digital Equipment (DEC) entwickelten Betriebssystems VMS betroffen, das heute unter dem Projektnamen OpenVMS gepflegt wird. Es läuft heute noch in etlichen Großunternehmen auf HPs Integrity-Servern, die mit Itanium-Chips ausgerüstet sind. Dogan Baser, EMEA Manager beim Virtualisierungsanbieter Stromasys, beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.

1. In welchen Servern steckt Itanium?

Intel entwickelt die Itanium-Chips fast ausschließlich für Enterprise-Server von HP. Die 64-Bit-Prozessoren bilden das Herzstück der Integrity-Server. Itanium steckt aber auch in Servern von SGI, Hitachi und Fujitsu. Meistens entscheiden sich IT-Verantwortliche für einen Integrity-Server, weil darauf das besonders stabile Betriebssystem OpenVMS laufen kann, auf das viele nicht verzichten wollen.

2. Was wirft HP Oracle vor?

Der genaue Wortlaut der Anklageschrift ist uns nicht bekannt. Laut Pressemeldungen wirft HP seinem ehemaligen Partner Oracle Wettbewerbsverzerrung vor. Im vergangenen Jahr hatte Oracle den Serverspezialisten Sun Microsystems übernommen, doch die Verkaufszahlen der Sparc-Server befinden sich derzeit in freiem Fall. Sie sind neben IBM der Hauptkonkurrent für HPs Integrity-Server. HP beschuldigt Oracle also, die Kunden zum Kauf von Sun-Servern statt Integrity zu zwingen, indem man die Softwareentwicklung für Itanium einstellt.

3. Warum ist Itanium für HP so wichtig?

HP führt derzeit die Hitliste der Server-Produzenten an. Mit einem Marktanteil von 31,5 Prozent liegt der Konzern derzeit vor seinen Konkurrenten IBM, Dell und Oracle. Eine besonders wichtige Rolle spielen dabei laut IDC ProLiant- und Integrity-Server.

4. Warum stellt Oracle die Softwareentwicklung für Itanium ein?

In einer Pressemitteilung vom 23. März teilte Oracle mit, Intel habe in einem Gespräch angedeutet, den Itanium-Chip selbst auslaufen zu lassen. Deshalb habe Oracle beschlossen, keine neue Software für Itanium zu entwickeln. Intel-CEO Paul Otellini widersprach dieser Behauptung allerdings sofort und erklärte, Intel werde auch in Zukunft Itanium-Chips herstellen.

5. Wird Itanium von allen fallen gelassen?

Noch ist nicht voraussagbar, ob Itanium von allen fallengelassen wird. Oracle ist aber nicht der einzige Softwareentwickler, der die Itanium-Prozessoren nicht mehr unterstützen will. Im letzten Jahr stoppten bereits Microsoft und Red Hat die Softwareentwicklung für Itanium. Intel hält jedoch nach eigenen Angaben an den CPUs fest.

6. Was tun, wenn man einen VAX- oder AlphaServer der ehemaligen Digital Equipment Corp. (DEC) besitzt?

Bislang gibt es keinen Grund, nicht von einem VAX- oder AlphaServer auf Integrity zu migrieren. In bestimmten Fällen können Applikationen auch auf andere Betriebsysteme migriert werden oder Hardwarekomponenten ersetzt werden. Eine Alternative bieten außerdem die Charon-Emulatoren von Stromasys, die PDP-11- VAX- und AlphaServer virtualisieren.

7. Was sollten Besitzer eines Integrity-Server von HP jetzt tun?

Die brodelnde Gerüchteküche hat vor allem Integrity-Nutzer verunsichert, doch für sie heißt es erst einmal Ruhe bewahren. Im schlimmsten Fall müssten sie in den sauren Apfel beißen und VMS als Betriebssystem aufgeben. Eine andere Alternative kann es sein, auf einen physischen oder virtuellen AlphaServer zurück zu migrieren. Doch bislang gibt es noch keinen Anlass für Aktionismus. (wh)