Typische Fehler vermeiden

4 Tipps zur Moderation von Diskussionen

12.09.2016
Von Nicolas Zeitler
Wer eine Podiumsrunde leitet, muss vorher die Positionen der Teilnehmer kennen. Wie man sich vorbereitet und warum kein Mikrofon durchs Publikum wandern sollte.
Wer als Moderator einen guten Eindruck hinterlässt, verbessert nicht zuletzt auch seine Aufstiegschancen.
Wer als Moderator einen guten Eindruck hinterlässt, verbessert nicht zuletzt auch seine Aufstiegschancen.
Foto: Matej Kastelic - shutterstock.com

Podiumsdiskussionen haben aus gutem Grund einen schlechten Ruf. Viel zu oft langweilen die Teilnehmer ihr Publikum mit den immer gleichen Phrasen, die sie schon woanders von sich gegeben haben. Schuld daran ist nicht selten der Moderator. Wer als CIO eine Runde vor Zuhörern leitet, kann viel falsch machen, schreibt Maryfran Johnson, Editor in Chief bei unserer amerikanischen Schwesterpublikation CIO.com.

Der erste Fehler ist zu wenig Wissen über das Thema und die Standpunkte, die die Teilnehmer der Runde vertreten. "Das muss man beides wirklich drauf haben", sagt Chris Vein, CEO von Dome Advisory Services, ehemalige CIO der Stadt San Fancisco und erfahrener Leiter von Diskussionsrunden. "Sobald man merkt, jemand geht in eine ganz andere Richtung, kann man ihn mit kleinen Tricks wieder auf die Bahn bringen", erklärt er.

Entscheidend ist die Vorbereitung

Der Moderator hat dieselbe Funktion wie der Dirigent eines Orchesters, der darauf achtet, dass jedes Instrument seine Einsätze bekommt und gleichzeitig die gesamte Aufführung reibungslos läuft. "Alle denken, entscheidend ist die Situation auf der Bühne - tatsächlich ist die Vorbereitung viel wichtiger", erklärt Event-Strategie-Beraterin Julia King.

Neben guter Vorbereitung sollte der Moderator einer Podiumsdiskussion außerdem vier Ratschläge beherzigen:

1. Die Teilnehmer sich nicht selbst vorstellen lassen

Die erste Gelegenheit, eine Diskussion zu ersticken, bevor sie überhaupt angefangen hat, bietet sich schon bei der Vorstellung. Wenn jeder Teilnehmer langatmig seinen Werdegang herunterbetet, schalten viele Zuhörer schon ab. Besser ist es, sich vorab von jedem einen aktuellen Lebenslauf schicken zu lassen, ihn auf drei Sätze zusammenzukürzen und damit als Moderator selbst die Gäste vorzustellen.

Als Moderator provozieren

Nach der kurzen Vorstellungsrunde muss der Moderator die Diskussion auch flott weiter führen. "Provozieren Sie die Teilnehmer mit Ihren Fragen, dann bekommen Sie mehr aus ihnen heraus", rät Alan Paller, wissenschaftlicher Leiter beim SANS Institute, einem Unternehmen für Sicherheitsschulung und -forschung. "Fordern Sie die Leute vorher auf, auf der Bühne auf keinen Fall geschwollen zu reden."

2. Nicht zu viel einstudieren

Sich auf das Thema der Diskussion vorzubereiten ist ein Muss für den Moderator. Zu viel des Guten tut er allerdings, wenn er vorab eine Liste abgedroschener Fragen an die Runde herumschickt - darauf bekommt er erfahrungsgemäß nur Standard-Antworten. Am besten führt er am Telefon ein Vorgespräch mit jedem einzelnen. Reicht dafür die Zeit nicht, sollte er vor der öffentlichen Diskussion kurz in kleinen Gruppen mit den Teilnehmern sprechen. Der Todesstoß für eine lebendige Diskussion vor Publikum ist dagegen eine Vorab-Telefonkonferenz mit der ganzen Runde.

3. Papageien einbremsen

Viele Diskutanten wiederholen erst die Aussage des Vorredners, bevor sie ihr eigenes Argument vortragen. Vor Beginn der Runde sollte der Moderator sie auffordern, diese Angewohnheit zu vermeiden. Die Teilnehmer sehen im Wiederholen womöglich ein höfliches Zeichen zu zeigen, dass sie die Aussagen eines anderen zu Kenntnis nehmen. Die Zuhörer bringt das allenfalls zum Gähnen. "Ich mache den Leuten vorher klar, dass wir nur eine knappe Stunde Zeit haben und uns daher auf die Widersprüche zwischen den einzelnen Ansichten fokussieren müssen", sagt Julia King. "Zur Überleitung von einem zum anderen stelle ich deshalb Fragen wie: Wie unterscheidet sich das, was Herr X gesagt hat, von der Situation in Ihrem Unternehmen?"

4. Nicht das Publikum fragen

Wer ein Mikrofon durch die Zuhörerreihen reicht, riskiert, dass die Diskussion ausufert. "Meistens stellen die Leute keine Fragen, sondern halten Ko-Referate", warnt Allan Paller. "Ich verteile Karteikarten, auf die die Zuhörer ihre Fragen schreiben können", erzählt er. Säßen viele introvertierte Menschen im Publikum, kämen so oft überhaupt erst Fragen zusammen. Außerdem behalte der Moderator die Kontrolle über die Zeit und den Inhalt der Fragen.

Trotz dieser Fallstricke sei die Moderation einer Diskussionsrunde nichts, worum sich ein CIO drücken solle, schreibt Maryfran Johnson. Gleich ob für eine kleine Zweigniederlassung, eine Firmenbesprechung oder eine große CIO-Konferenz: Eine Runde zu leiten biete die Chance, sein Netzwerk auszubauen und bessere Kontakte zu knüpfen als sonst an der Kaffeebar. Wer als Moderator einen guten Eindruck hinterlasse, verbessere nicht zuletzt auch seine Aufstiegschancen.