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3GSM World: T-Mobile verspricht Tarifsenkungen und kündigt neuen MDA an

15.02.2005

CANNES (COMPUTERWOCHE) - T-Mobile-Chef René Obermann hat auf dem 3GSM World Congress in Cannes Aussagen, das Mobilfunkgeschäft sei gesättigt, ins Reich der Fabel verwiesen. Laut Obermann birgt die Branche weiterhin große Wachstumspotenziale, allerdings sei für die Ansprache der Kunden ein neuer Ansatz erforderlich. Der Schwerpunkt, so der Manager, dürfe nicht mehr auf SIM-Karten und neuen Teilnehmern liegen, sondern auf neuen Diensten und einem besseren Nutzen für die Verbraucher. Allein in diesem Jahr rechnet Obermann weltweit mit einer Verdoppelung der Anwender auf zwei Milliarden Subscriber. Dass Wachstum möglich sei, zeige auch der US-Markt, wo T-Mobile überdurchschnittlich um 32 Prozent zugelegt habe.

Dennoch ist für den Vorstand von T-Mobile International die Zeit reif, neue Wege einzuschlagen. Alle Anbieter stünden vor großen Herausforderungen. Sie müssten ihre Kündigungsquoten der Teilnehmer in den Griff bekommen, die Subventionen für Handys überdenken, transparentere und günstigere Tarife einführen, den monatlichen Umsatz pro Kunde steigern, die Komplexität ihrer Produkte und Services reduzieren, das Bewusstsein der Verbraucher für Dienste schärfen und sich einem noch härteren Wettbewerb stellen.

"Wir wissen, dass die Tarife unter Druck geraten werden", wies Obermann auf die anstehenden Folgen des Konkurrenzkampfes hin. Seiner Ansicht nach sei eine Senkung der Preise und Roaming-Gebühren ohnehin überfällig, allerdings müssten die Kunden dann auch akzeptieren, dass die Netzbetreiber Endgeräte nicht mehr in dem gewöhnten Maße subventionieren könnten. Zumindest bei Prepaid-Angeboten hat die Mobilfunktochter der Telekom ihre Zuschusspolitik für Handys schon gedrosselt. Seit dem dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres werden die Produkte weit weniger bezuschusst.

Obermann räumte in Cannes ein, dass T-Mobile deshalb bei der Zahl der gewonnen Neukunden in Deutschland auf den letzten Platz zurückgefallen sei, weil die Konkurrenten ihre Endgeräte stärker subventionieren. Dennoch ist der T-Mobil-Chef von der Richtigkeit der Maßnahme überzeugt und betonte: "Wir wollen bei den Vertragskunden unsere Position als Nummer eins verteidigen."

Was das Umsatzwachstum betrifft, setzt der Netzbetreiber vor allem auf Datendienste und maßgeschneiderte Servicepakete für den Kunden. Der Trend gehe dahin, den Anwendern ein integriertes Netzwerk anzubieten, das automatisch unter GSM, UMTS und Wireless LAN die optimale Access-Technik für den Konsumenten wählt. Der Konsum von Datenservices werde, so Obermann, zudem durch den schnellen Übertragungsstandard High Speed Downlink Packet Access (HSDPA) forciert, die T-Mobile rasch installieren möchte. Einen genauen Zeitpunkt für den Start nannte er jedoch nicht.

Nach Ansicht des T-Mobile-Managements wird ein Großteil der Kunden seine Daten bald auf Mobiltelefonen replizieren, wie es heute auf PCs geschieht. Daraus, so Obermann, könne die Killerapplikation werden, nach der schon so lange Ausschau gehalten wird. Eine Studie des Marktforschungsunternehmens Analysis zufolgen sollen im Jahr 2010 bereits zehn Milliarden Euro durch Business-Datendienste umgesetzt werden. Für die Zunahme der Datenapplikationen spricht laut T-Mobile auch die immer stärkere Nachfrage nach datenorientierten Endgeräten wie dem Blackberry und MDA. Der Provider hat seine Absatzzahlen von 80.000 Stück im Jahr 2003 auf 210.000 im vergangenen Jahr gesteigert. Heuer rechnet der Mobilfunker mit 500.000 Geräten, die über den Ladentisch wandern. Wachsen soll auch die Zahl der Hotspot. Das Unternehmen will seine Funkzonen von 10.000 Stück Ende letzten Jahres auf 20.000 bis Dezember 2005 steigern.

Obermann hatte in Cannes für die Nutzer von Datenanwendungen auch ein neues Produkt im Gepäck. Er kündigte mit dem "MDA IV" für den Sommer ein Device an, das die Netzstandards GSM, UMTS und Wifi unterstützt. Darüber hinaus enthält der MDA volle Office-Funktionalität, integrierte Video- und Music-Player sowie USB- und Bluetooth-Schnittstellen für die Datensynchronisierung mit dem PC. (pg)