Bei Netzwerksoftware für OS2 läßt Big Blue noch auf sich warten:

3Coms LAN Manager erhöht OS/2-Akzeptanz

04.11.1988

LONDON (IDG) - Die Verfügbarkeit des LAN Manager der 3Com Corp. hat nach Ansicht von Fachleuten vielen PC-Usern endlich einen Grund geliefert, auf OS/2 umzurüsten. Das entsprechende Produkt von Big Blue steht allerdings noch aus.

Bisher wurde in praktisch allen Umfragen der Mangel an Anwendersoftware für das neue Betriebssystem als Grund dafür genannt, warum DOS-Anwender vor dem Schwenk zu OS/2 zurückschreckten. Auch die mit der Umstellung verbundenen Kosten in Höhe von 4500 bis 6000 Mark je Gerät für die Hauptspeicher-Mindestausstattung von 6 MB hat die Hinwendung zu OS/2 eher gebremst.

Die Verfügbarkeit einer LAN-Management-Software, die es dem Anwender erlaubt, sowohl DOS- als auch OS/2-orientierte Einzelplatzrechner innerhalb eines Netzes mit dem selben OS/2-Server zu verbinden, könnte das Betriebssystem nunmehr attraktiver erscheinen lassen.

Erste Stimmen von Anwendern aus Großbritannien zeigen dann auch vorsichtiges Interesse mit positiver Grundtendenz. Allerdings sprachen sich vereinzelte Anwender dafür aus, auf das Konkurrenzprodukt von Big Blue, den OS/2 LAN Server/Requester zu warten. Die Version 1.1 der Extended Edition von OS/2, die für den nächsten Monat erwartet wird, ist mit dem IBM-Requester ausgestattet.

Was vorläufig noch fehlt, ist der IBM-LAN Server. Daher haben reine IBM-Bezieher, solange diese Situation anhält, zwar die Möglichkeit, ihre Maschinen in ein Local Area Network (LAN) einzubinden, verteilte Anwendungen bleiben ihnen jedoch vorerst verschlossen. 3Com-

Kunden dagegen können jetzt schon die vollen Möglichkeiten der Software nutzen, etwa um einen Datenbank-Server im Netz zu installieren und damit die Arbeitslast zwischen den Arbeitsplatzrechnern als Front-End und dem Datenbank-Server aufzuteilen.

Tony Dvorak, als Product Manager bei Big Blue für den "blauen" LAN Manager zuständig, teilte dazu mit, vor Ablauf von vier bis sechs Monaten sei kaum mit der Fertigstellung des Produktes zu rechnen.

Der LAN Manager ist dem Vernehmen nach mit existierenden Netbios-orientierten Netzen kompatibel, das heißt, derzeit installierte Anwendungen können auch auf einem solchen System laufen. Ein Vergleichstest gegen die ebenfalls konkurrierende LAN-Software von Novell hat unterdessen einen deutlichen Vorteil für das Microsoft-Produkt ergeben. Der Test wurde von der US-Marktforschungsgesellschaft Neal Nelson Associates durchgeführt und zeigte, daß Novell in Netzen mit geringer Belastung und kurzen Messages zwar leicht im Vorteil war. Dies änderte sich jedoch mit höherer Workload im Netz, und der OS/2 LAN Manager zeigte sich zunehmend überlegen.

Unterdessen hat auch Digital Equipment seine Unterstützung für den LAN Manager zugesagt und einen entsprechenden Lizenzvertrag mit Microsoft unterzeichnet. Microsoft selbst will seinem Netzwerkprodukt auch über den Einsatzbereich von OS/2 hinaus einen Markt verschaffen und hat angekündigt, gemeinsam mit Hewlett-Packard eine Unix-Version der Netzwerksoftware zu entwickeln.