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3Com baut kräftig um

21.03.2000
Restrukturierung kostet 3000 Arbeitsplätze

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - 3Com hat gestern wie vermutet (CW Infonet berichtete) eine umfassende Restrukturierung angekündigt. Dabei stehen zwei Schritte im Mittelpunkt:

Die High-End-Netzwerkprodukte (Router und Switches der Produktfamilien "Corebuilder", "Pathbuilder" und "Netbuilder") werden Ende Juni eingestellt. Seinen Corebuilder-Kunden empfiehlt 3Com den Umstieg auf die Systeme von Extreme Networks. "Extreme baut genau das, was wir auch machen würden", erklärte CEO (Chief Executive Officer) Eric Benhamou. Net- und Pathbuilder-Anwender sollen auf Motorola-Systeme migrieren. Service und Support für die bisherigen Produkte will 3Com noch fünf Jahre lang leisten.

Das Geschäft mit analogen und PC-Karten-Modems wird in eine neue Company ausgegliedert, die 3Com gemeinsam mit Accton Technology (Taiwan) und NatSteel Electronic (Singapur) gründet. Damit trennt sich 3Com vom Markennamen und den Produkten von U.S. Robotics, die man 1997 für neun Milliarden Dollar übernommen hatte.

Der Rückzug aus den beiden Marksegmenten, die bislang rund 45 Prozent des Umsatzes von 3Com ausmachten, wird für die Belegschaft schwerwiegende Folgen haben: 2500 bis 3000 Mitarbeiter sollen nach Aussagen von President Bruce Claflin im kommenden halben Jahr entlassen werden. Dem Unternehmen soll der Aderlass natürlich nutzen: Benhamou geht davon aus, dass mit einer schlankeren und stärker fokussierten Struktur in den kommenden Jahren ein Umsatzplus zwischen 20 und 25 Prozent per annum möglich ist.

Die Einnahmen ohne Modems, Router/Switches und Palm-PDAs (Personal Digital Assistants) dürften sich nach Einschätzung von 3Com zunächst von sechs auf drei Milliarden Dollar halbieren. Für das kommende Quartal erwartet Claflin Einnahmen zwischen 675 und 750 Millionen Dollar. Im dritten Quartal 2000 soll die "neue" 3Com profitabel sein und ab dem zweiten Quartal 2001 auch umsatzmäßig wieder wachsen.

Produktseitig setzt der Hersteller mit seinen Linien "Homeconnect", "Officeconnect", "Superstack", "NBX" sowie "Total Control" künftig vor allem auf die Marktsegmente Consumer, kleine und mittlere Unternehmen sowie Netzbetreiber. Der Schwerpunkt der Entwicklung soll laut Benhamou auf Breitband-Netzzugang, Heimnetzwerken, Wireless-Technik, LAN-Telefonie und Web-fähigen Netzgeräten liegen. Im Vordergrund soll dabei jeweils die möglichst einfache Benutzbarkeit stehen.

Zeitgleich mit dem Umbau des Unternehmens gab 3Com auch das Ergebnis des abgeschlossenen dritten Quartals bekannt. Allen Wirrungen zum Trotz konnte die Company einen Nettoprofit von 97,4 Millionen Dollar oder 27 Cent ausweisen und damit die Erwartungen der Analysten um zwei Cent übertreffen. Ein Jahr zuvor hatte der Nettogewinn 89,7 Millionen Dollar oder 24 Cent je Anteilschein betragen. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr allerdings nur um weniger als ein Prozent auf 1,415 Millionen Dollar. Ohne die Palm-Division lagen die Einnahmen sogar um elf Prozent niedriger als im dritten Quartal des Vorjahres.