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Breitbandnetze in Europa

30 MBit für alle

Holger Eriksdotter ist freier Journalist in Hamburg.
Der Leiter der Abteilung Informationsgesellschaft und Medien der EU-Komission, Robert Madelin, hat Zweifel angemeldet, dass sich die angestrebten Ziele beim Netzwerkausbau in Europa mit dem gegenwärtigen Tempo realisieren lassen.
Robert Madelin ist Leiter der Abteilung "Informationsgesellschaft und Medien" bei der EU-Komission.
Robert Madelin ist Leiter der Abteilung "Informationsgesellschaft und Medien" bei der EU-Komission.
Foto: EU-Komission

Die Konkurrenz unter den Telekom-Anbietern allein werde nicht ausreichen, dass genügend Investitionen in den Ausbau der Netzwerkinfrastruktur fließen, befürchtet Robert Madelin. Er muss es wissen: Als Leiter der Generaldirektion Informationsgesellschaft und Medien der EU-Komission ist er dafür zuständig, Vorgaben und Empfehlungen zu erarbeiten, um die Ziele der europäischen „Digital Agenda“ umzusetzen.

Eines davon lautet: Bis zum Jahre 2020 soll jeder europäische Bürger einen Zugang zu Breitband-Internet mit Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 30 Mbps (Megabits per second) erhalten, wobei die Hälfte der Nutzer sogar mit 100 Mbps versorgt werden sollen. In einem Gespräch mit der Medienplattform European Voice äußerte der EU-Direktor jetzt Zweifel, dass sich diese Ziele im angestrebten Zeitrahmen verwirklichen lassen.

„Die europäischen Top-Entscheider kümmern sich zuwenig darum, jetzt die Infrastruktur von morgen in Angriff zu nehmen“, sagte Madelin. „Ich glaube nicht, dass die derzeitigen Investitionen für den Aufbau der Next Generation Networks ausreichen.“

Nächsten Monat will die EU-Kommission Vorschläge vorlegen, wie Investitionen in moderne Fiberglas-Netze gesteigert werden können. Dabei ist auch die Möglichkeit im Gespräch, die Entgelte für kupfer-basierte Internet-Zugänge im Rahmen einer EU-Regelung zu begrenzen. Die Internet-Anbieter wehren sich dagegen mit dem Argument, dass Fiberglas-Netze sich auf Jahre hinaus nicht rechnen werden und die benötigten Investitionen dafür nur mit den Gewinnen aus den vorhandenen Kupfernetzen erwirtschaftet werden könnten.

Nach einer aktuellen Studie des spanischen Telekom-Anbieter TelefA3 und der Telecom Italia sind bisher nur die sechs europäischen Länder Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Holland und Portugal in einer aussichtsreichen Position, die gesteckten Ziele bis zum Jahr 2020 zu erreichen.