Baustelle Cloud Computing

2012 - das Jahr der Cloud?

Heinrich Vaske
Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Dieser Aufgabe widmet er sich in enger, kooperativer Zusammenarbeit mit dem Redaktionsteam. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Privat gehört sein Herz seiner Familie und dem SV Werder Bremen.
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Cloud Computing gehört (wieder) zu den Trends 2012. Dahinter steckt ein grundlegender Wandel: Business-IT wird zum Service.
Foto: Helder Almeida, Fotolia.de

Oft haben dieselben IT-Nutzer, die privat fleißig Cloud-Angebote wie Evernote, Doodle oder GoogleDocs nutzen, immer noch Vorbehalte gegen entsprechende Alternativen auf Business-Ebene. Diese skeptische Grundhaltung wird sich 2012 langsam abbauen. Die Erkenntnis, dass Virtualisierung, breitbandige Vernetzung, Mobile Computing und immer bessere Infrastrukturlösungen zu einem Paradigmenwechsel in der Business-IT führen, greift um sich. Software wird künftig als Service bezogen, außerdem ermöglicht Cloud Computing im Zweifel jedem, sich selbst als Service-Provider aufzustellen.

Die Angebote sind da

Rechen- und Speicherressourcen aus dem Netz (Infrastructure as a Service = IaaS) gibt es zuhauf, Anbieter wie Amazon.com, Microsoft oder T-Systems verzeichnen hier gute Geschäfte. Auch die Anwendungsinfrastruktur aus der Cloud (Platform as a Service = PaaS) nimmt Konturen an. Große Hersteller bieten Entwicklern weltweit nutzbare, Web-zentrische Rapid-Application-Development-(RAD-)Umgebungen. Software-as-a-Service-(SaaS)-Angebote, die eine Multitenancy-Architektur unterstützen – also in der Lage sind, aus einer Anwendung heraus viele Kunden zumindest in Teilen individuell zu bedienen –, stehen bereits vielfach zur Verfügung.

Anwender werden zwischen den Angeboten von Nischen-Playern und Marktgiganten wählen können. Der Zug in die Cloud rollt also, die Analysten von Gartner prophezeien, dass schon im nächsten Jahr 75 Prozent der Softwarehäuser zumindest einige Funktionen als Services bereithalten werden. Bis 2015 sollen dann alle Softwareanbieter mehr oder weniger umfangreich servicebasierende Business-Software-Funktionen anbieten. Doch die Kunden werden diese Leistungen nur allmählich annehmen. Dabei ist die Cloud für kleine und mittlere Betriebe eine interessante Alternative.

Sie neigen grundsätzlich eher zum Kaufen als zum Entwickeln von Anwendungen. Cloud Computing unterstützt diese Haltung, da nun sogar der gesamte Service fremdbezogen werden kann. Anstatt eine kostspielige Inhouse-IT zu pflegen, lassen sich Services einfach aus der Cloud beziehen – übrigens auch solche, die vorher Großkonzernen vorbehalten waren. Die Anschaffungskosten sinken, die Betriebskosten im besten Fall auch. Die Einführungszeiten werden kürzer, Support und Wartung liegen in Händen des Providers. Konzerne mit großen IT-Organisationen bleiben indes auch 2012 vorsichtig und werden sich eher in Nischen mit Software und Infrastrukturprodukten aus der Cloud beschäftigen.

Wie im Vorjahr sind Private Clouds für diese Konzerne ein Thema – Modelle also, in denen Ownership und Betrieb der Implementierung voll unter ihrer Kontrolle bleiben. Wichtigster Vorteil ist die Minimierung der Risiken. Das krasse Gegenteil ist die Public Cloud, in der letztendlich die Provider die Partnerbeziehung kontrollieren. Kunden, die sich auf dieses Risiko einlassen wollen, haben zumindest theoretisch den Vorteil, von der Innovationskraft ihres im Wettbewerb stehenden Anbieters zu profitieren – und gegebenenfalls von einer hochskalierbaren Infrastruktur, die zu Kostenvorteilen führen kann.

Federated Frameworks

So positionieren sich die Anbieter.
So positionieren sich die Anbieter.
Foto: Gartner

Zwischen Private und Public Cloud gibt es noch viele Spielarten, in denen partielle Kontrolle und geteilte Ownership möglich sind. Deshalb werden hybride Cloud-Umgebungen zu einem wichtigen Thema, und damit auch Federated Frameworks, die es ermöglichen, einen Mix aus internen und externen Cloud-Services auszurollen und zu verwalten. Große Unternehmen haben meist eine komplizierte Ausgangssituation für Cloud Computing. Eine individualisierte IT-Basis mit vielen Legacy-Anwendungen, komplexe Architekturen und etablierte Business- Prozesse erlauben keine schnellen strategischen Schwenks.

IT-Manager und Architekten erwarten von den Cloud-Providern zudem immer noch Antworten auf Fragen bezüglich Verfügbarkeit, Datenintegrität, Sicherheit und vor allem Datenschutz. Dennoch werden sich auch die großen Konzerne mit Cloud-Management- und Integrationstechniken auseinandersetzen. Hintergrund ist der Druck durch das Business. Cloud Computing wird im Privatleben der Mitarbeiter zum Alltag, und ähnlich wie bei den Endgeräten (Stichwort: Bring your own Device) erwarten die Anwender, ihre persönlichen Nutzungsgewohnheiten im Business weiterleben zu dürfen. Schon jetzt bedienen sich manche Fachabteilungen bei Salesforce.com, Successfactors oder Amazon Web Services (AWS), ohne mit der internen IT gesprochen zu haben.