2007: Der Markt für Systemhäuser - Stimmung gut aber kein Personal

Ronald Wiltscheck widmet sich bei ChannelPartner schwerpunktmäßig den Themen Software, Security und E-Commerce. Außerdem ist er im Event-Geschäft tätig.
Der positive Trend von 2005 hat sich im Vorjahr fort- gesetzt. Aber 2007 bleiben die Büros leer.

Die wirtschaftliche Stimmung ist hervorragend: Der Dax treibt neuen Höchstständen entgegen. Die Arbeitslosigkeit sinkt wie schon lange nicht mehr, und dies wirkt sich auch auf das Geschäft der ITK-Systemhäuser in Deutschland aus.

So glauben über 80 Prozent der von der COMPUTERWOCHE-Schwesterpublikation "ChannelPartner" befragten Unternehmen, dass das Insvestitionsklima 2007 besser ist als im Vorjahr. 2006 war der Anteil der Optimisten mit 83,7 Prozent sogar noch höher. Dagegen rechnete 2005 nicht einmal ein Drittel der Systemhäuser in Deutschland mit einer Verbesserung des Investitionsklimas. Hier kann man also von einer klaren Trendwende sprechen.

Trotz dieser hervorragenden gesamtwirtschaftlichen Ausgangslage rechnen die deutschen ITK-Systemhäuser nicht damit, dass sie alle dieses Jahr in ihrer jetzigen Form überstehen werden. Über 95 Prozent von ihnen glauben, dass in den nächsten zwölf Monaten weitere Übernahmen, Fusionen und Insolvenzen diese Branche prägen werden. Lediglich zwei der von ChannelPartner befragten Unternehmen sind der Ansicht, dass alles beim Alten bleiben wird.

Die zehn Top-Systemhäuser im indirekten Vertrieb in Deutschland 2006 (Quelle: ChannelPartner)

Hersteller

Umsatz 2006 (Mio. Euro)

1. Computacenter

958,4

2. Bechtle

815,9

3. PC-Ware

370,0

4. Cancom IT Systeme

232,4

5. TDM Gruppe

230,0

6. Comparex Deutschland

205,0

7. ADA Das Systemhaus

152,3

8. Fritz & Macziol Software

150,0

9. Profi Engineering Systems

140,0

10. Comline Computer

113,0

Das vergangene Jahr gibt allerdings den Skeptikern Recht. Trotz der guten konjunkturellen Situation sind fünf Systemhäuser aus dem Top-25-Ranking von Channelpartner heraus gefallen, die dort vergangenes Jahr noch vertreten waren. So agiert beispielsweise ADA Das Systemhaus nicht mehr als selbständiges Unternehmen. ChannelPartner hat die Willicher dennoch in die Liste aufgenommen, da die Systemhauszahlen der ADA-Mutter, GFKL, vorlagen. Ob dies aber auch noch im nächsten Jahr der Fall sein wird, ist zu bezweifeln.

Gleichfalls fehlt in der aktuellen Liste der größten deutschen Systemhäuser die Morse GmbH. Die deutsche und die österreichische Niederlassung der in Großbritannien agierenden Morse Plc. wurden im Juli 2007 von der Becom-Gruppe übernommen hier hat also die bisherige Nummer sieben das zehntgrößte Systemhaus in Deutschland geschluckt.

Sehr dynamischer Markt

Morse wurde der Becom-Tochter Inforsa zugeschlagen. Ende April 2007 strukturierte sich die gesamte Becom-Gruppe neu und firmiert seitdem unter dem Dach der TDM Holdings N.V. mit Hauptsitz in den Niederlanden. So verschwand also auch der Name Becom aus der Top-25-Liste und wurde durch TDM Holdings ersetzt.

Nicht mehr dabei ist die Software Spectrum GmbH. Nach der Übernahme durch Insight Technology teilt der Lizenzhändler die Umsätze in Deutschland nicht mehr mit. Ebenso fehlt im aktuellen Top-25-Ranking die Hamburger die Carus AG, die von Pixelpark übernommen wurde und seitdem nicht mehr als Systemhaus agiert. So konnten einige der dahinter liegenden Systemhäuser nachrücken, zum Beispiel Raber+Märcker, Concat und die Datagroup. Neu in die Liste der 25 größten Systemhäuser Deutschlands aufgenommen wurde die Janz Informationssysteme AG aus Paderborn. Weitere acht Newcomer gab es ferner im Ranking der potenziellen Nachrücker in die Top 25.

Dies deutet daraufhin, dass der Markt nach wie vor sehr dynamisch ist. Quasi über Nacht kann man es schaffen, in diese Systemhausliste aufgenommen zu werden. In den letzten drei Jahren hat ein Jahresumsatz von 40 Millionen Euro ausgereicht, um den 25. Platz zu erreichen. Lediglich drei Vertreter der Top 25 hatten im Vorjahr Umsatzrückgänge zu beklagen: ADA, SCC und Sysdat. Die 25 führenden Unternehmen dort wollen weiter wachsen. 54 Prozent von ihnen möchten dies aus eigenen Kräften tun, der Rest plant, andere Firmen zu übernehmen oder sich dort zumindest zu beteiligen. Außerdem sind alle von ChannelPartner befragten Systemhäuser fest davon überzeugt, ihre Umsätze 2007 gegenüber 2006 steigern zu können. Kein einziges Unternehmen glaubt, schwächer als der Markt zu wachsen, von Stagnation oder gar Umsatzrückgang gar nicht zu sprechen.

Im Vorjahr waren die von ChannelPartner befragten Systemhäuser nicht ganz so optimistisch: 4,7 Prozent von ihnen rechneten mit stagnierenden Umsätzen, ein knappes Drittel glaubte, nicht stärker als der Markt zu wachsen. 2007 sind die Aussichten hingegen rosig: Nur 21,7 Prozent der Systemhäuser meinen, im Einklang mit der konjunkturellen Entwicklung wachsen zu können, der Rest rechnet damit, stärker (46,7 Prozent) oder sogar deutlich stärker (32,6 Prozent) als der Markt zuzulegen.

Doch der Wunsch, seine Umsätze zu erhöhen, ist das eine, das dazu nötige Personal zu finden das andere. Und genau daran hapert es. Was sich bereits in den vergangenen zwei Jahren angedeutet hatte, ist nun Realität geworden. Auch den Systemhäusern gehen die guten Mitarbeiter aus.

Klage: Personal händeringend gesucht

Das stimmt überein mit den derzeit in den Bereichen Maschinenbau und Elektrotechnik laut werdenden Klagen über fehlende Ingenieure. Personalmangel ist derzeit die Sorge Nummer eins. Über zwei Drittel der von ChannelPartner befragten Systemhäuser gaben an, nicht mehr genügend qualifizierte Kräfte für ihr "daily business" finden zu können. Vor einem Jahr war dies nur bei einem Drittel der Systemhäuser der Fall, und vor zwei Jahren klagten lediglich 15 Prozent von ihnen über Personalmangel.

Dieses Jahr übertrifft diese Sorge damit sogar die sonst üblichen Klagen über die schlechten Margen im Fachhandel, sonst auch ein Dauerthema unter den Systemhäusern. Denn bittet man diese Unternehmen, nur eine einzige ihrer sonst zahlreichen Sorgen zu benennen, so beklagt sich beinahe die Hälfte von ihnen über Personalmangel. 18,4 Prozent bezeichnen den zunehmenden Wettbewerb als ihre Hauptsorge, und nur 14,3 Prozent der Systemhäuser bereitet die unzureichende Ertragslage den größten Kummer.

Diese Zahlen relativieren sich natürlich, wenn die Systemhäuser mehr als nur eine der sie quälenden Probleme benennen dürfen. Da taucht dann doch bei fast zwei Dritteln die schwache Marge auf. Bei Berücksichtigung der Mehrfachnennungen ist das "Direktgeschäft der Hersteller" die Sorge Nummer drei für die Systemhäuser (58,6 Prozent). Erst an vierter Stelle beklagen diese Unternehmen den "zunehmenden Wettbewerb" seitens anderer Systemhäuser (45,4 Prozent bei maximal drei Nennungen).

Das wiederum passt zu den besseren gesamtwirtschaftlichen Rahmendaten: Dem gleich bleibenden Angebot an Systemhäusern steht eine steigende Nachfrage der Kunden gegenüber. Und nachdem auch die Wettbewerber nicht genügend qualifiziertes Personal finden, entspannt sich die Margensituation auf der Seite der Anbieter von ITK-Dienstleistungen.

Bechtle ist der größte Konkurrent

Das spiegelt sich auch in den Antworten der Systemhäuser auf die Frage nach den bedeutendsten Wettbewerbern wider: Wie in den zwei Jahren davor führt Bechtle diese Liste an. Über die Hälfte (57,1 Prozent) der von ChannelPartner befragten Systemhäuser zählt dieses Unternehmen zu seinen Konkurrenten. Damit liegt dieser Anteil nur unwesentlich niedriger als im Vorjahr (59,5 Prozent). Dafür wird jetzt Computacenter öfters als Wettbewerber genannt. Glaubten 2006 noch 45,2 Prozent der Systemhäuser, mit diesem Anbieter zu konkurrieren, ist 2007 genau die Hälfte von ihnen dieser Überzeugung.

In der Wahrnehmung als Konkurrent deutlich verloren hat hingegen T-Systems.

Weitere potenzielle Mitspieler in diesem Markt sind lokale (23,8 Prozent) und überregionale (16,7 Prozent) Systemhäuser. Diese Zahlen stimmen weitgehend mit denen des Vorjahres (21,4 beziehungsweise 19 Prozent) überein. Überdurchschnittlich häufig wurde auch noch Cancom (14,3 Prozent) genannt. Die Bedeutung der Hersteller IBM und HP als Wettbewerber zu Systemhäusern stieg 2007 leicht an: von jeweils 7,1 auf 11,9 Prozent (IBM) beziehungsweise 9,5 Prozent (HP). Dafür spielt Siemens samt der Dienstleistungstochter IT Solutions and Services (ex SBS) und dem PC-Fertiger Fujitsu-Siemens Computers (FSC) mit insgesamt 16,7 Prozent eine geringere Rolle als Systemhauskonkurrent. Im Vorjahr betrug hier der Siemens-Anteil noch stolze 23,8 Prozent.

Gleich 76 Prozent der führenden Systemhäuser in Deutschland wollen in den nächsten zwölf Monaten neue Mitarbeiter einstellen. Doch wo wollen sie diese ITK-Spezialisten finden? Schon jetzt herrscht Mangel an Ingenieuren, und Personal von der Konkurrenz abzuwerben, ist teuer. Denn die übrigen Systemhäuser (24 Prozent), die ihre Personaldecke nicht aufstocken wollen, planen auch keine Entlassungen. Rosige Zeiten also für IT-Experten.