2007: Der Markt für Server-Systeme - Das Duell der Giganten

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Im deutschen Server-Markt liefert sich eine wiedererstarkte Hewlett-Packard einen erbitterten Kampf mit dem Erzrivalen IBM.

Für das Jahr 2006 haben professionelle Marktbeobachter einen klaren Gewinner im Server-Geschäft ausgemacht: Hewlett-Packard. Allein in Deutschland erhöhten die Kalifornier ihren Marktanteil nach Stückzahlen gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent. "HP ist auf dem Vormarsch", kommentiert Gartner-Analyst Andrew Butler das überraschend gute Abschneiden. Das von Mark Hurd geführte Unternehmen habe in allen europäischen Ländern "extrem gute Ergebnisse" hingelegt.

Server-Markt 2006 nach Umsatz

Hersteller

Marktanteil in Prozent

IBM

31,2

Hewlett-Packard

25,1

Fujitsu-Siemens

20,0

Sun Microsystems

12,4

Dell

4,8

Maxdata

0,4

Acer

0,4

Transtec

0,3

NEC

0,1

Apple Computer

0,1

Waren die Stärken HPs lange Zeit vor allem auf die im Massengeschäft erfolgreichen "Proliant"-Server zurückzuführen, die mit der Übernahme von Compaq ins Portfolio kamen, hat sich der Konzern in den vergangenen zwölf Monaten laut Butler vor allem in einem speziellen Segment entscheidend verstärkt: dem der Blade-Server, das nach wie vor hohe Wachstumsraten verspricht. "Mit einer überarbeiteten Palette an Blade-Systemen hat sich HP auch in technischer Hinsicht die Pole Position geholt", so der Analyst. Bis vor kurzem galt IBM als führend, wenn es um ausgefeilte Techniken in den flachen Servern ging. Mehr als alle anderen Hersteller profitiert das Duo vom anhaltenden Trend zu Blade-Servern: In der Region Emea (Europa, Mittlerer Osten, Afrika) liefern HP und IBM rund 70 Prozent aller Systeme aus.

IBM aggressiv im Highend

Gartner-Analyst Andy Butler sieht HP im Server-Markt auf dem Vormarsch.
Gartner-Analyst Andy Butler sieht HP im Server-Markt auf dem Vormarsch.
Foto: Gartner

Der Kampf um den Server-Markt entwickelt sich immer mehr zum Duell der Branchenschwergewichte, mit leichten Vorteilen für HP. Für das Highend gelte dies allerdings weniger, schränkt Butler ein. So habe der Anbieter mit seinen "Integrity"-Servern nur bescheidene Zuwachsraten erzielt. IBM dagegen agierte vor allem mit den Unix-basierenden "System p"-Modellen (früher "p Series") und den Großrechnern der Familie "System z" (vormals "z Series") erfolgreich. Mit den neuen "Power-6"-Prozessoren betreibe Big Blue besonders im Segment der Unix-Rechner ein aggressives Marketing. In diesem Bereich sei es HP bis dato nicht gelungen, die Kräfteverhältnisse zu verändern.

Fujitsu-Siemens Computers (FSC) blieb auch im vergangenen Jahr eine feste Größe im deutschen Server-Markt, obwohl das japanisch-deutsche Gemeinschaftsunternehmen gegenüber HP an Boden verlor. Nach Stückzahlen gerechnet landet FSC auf Rang zwei, gemessen an den erzielten Umsätzen auf dem dritten Platz. Mit gehörigem Abstand folgt Sun Microsystems. Die Markteinführung von Suns T1-Servern sei erfolgreich verlaufen, kommentiert Butler. Auch im Segment der x86-Server bescheinigt er dem Unternehmen eine "exzellente Technik". Bisher aber sei es dem Hersteller kaum gelungen, diese Vorzüge in Umsatz zu verwandeln.

Als nicht schlecht, aber eben auch nicht sonderlich gewinnbringend beurteilt Butler die Bemühungen rund um das quelloffene Unix-Derivat OpenSolaris: "Sun versucht, die Softwarehersteller für OpenSolaris zu begeistern." Obwohl diese grundsätzlich Interesse zeigten, gebe es keine Anzeichen dafür, dass sie deshalb ihr Engagement auf Windows- oder Linux-Plattformen zurückfahren. Jüngste Zahlen belegten, dass Sun die Mehrzahl seiner Lowend-Server mit klassischen Linux-Distributionen wie der von Red Hat ausliefere.

Allen Unkenrufen zum Trotz ist das Geschäft mit Unix-Servern insgesamt stabil geblieben, ergänzt der Gartner-Experte. Linux habe zwar schnell zugelegt, konnte Unix-Systeme aber vor allem im Lowend mit x86-Servern ersetzen. Ob das so bleibt, ist fraglich. Langfristig würden auch große Unix-basierende Server in die Defensive gedrängt, glaubt Butler. Er meint damit insbesondere Highend-Server mit mehreren Prozessoren und einem Verkaufspreis ab einer halben Million Dollar. Immer mehr Unternehmen bevorzugten Installationen mit kleineren spezialisierten Rechnern. Auf diese Weise könnten sie klein beginnen und die Kapazität schrittweise ausbauen. Unterm Strich sei im Unix-Geschäft kein echtes Wachstum mehr zu erwarten.

Sorgenkind Dell

Zum Sorgenkind hat sich in den Augen vieler Analysten der einstige Shootingstar Dell entwickelt. "Dell war immer abhängig von der Marktakzeptanz seines direkten Vertriebsmodells", erläutert Butler. In den USA und in Großbritannien sei diese zwar noch gegeben, nicht aber in Zentraleuropa und auf dem deutschen Markt. Nach seiner Einschätzung goutieren vor allem Großunternehmen Dells Ansatz im Gegensatz zu kleineren Betrieben: Sie bevorzugen den klassischen Channel. Die Händler genießen Vertrauen im Mittelstand, sind lokal verwurzelt und besitzen häufig Branchenkenntnisse.

Server-Markt 2006 nach Stückzahlen

Hersteller

Marktanteil in Prozent

Hewlett-Packard

34,3

Fujitsu-Siemens

18,1

IBM

15,0

Dell

12,7

Sun Microsystems

6,3

Maxdata

2,8

Acer

1,6

Transtec

0,8

Apple Computer

0,3

NEC

0,2

Erschwerend hinzu kommt das psychologische Moment: "Dell ist nicht mehr unschlagbar", sagt Butler. Diese Einsicht sei inzwischen weit verbreitet. Zudem haben die großen Rivalen, allen voran HP, IBM und FSC, dazugelernt und ihre Lieferketten auf Vordermann gebracht. Insbesondere HP hat nach Ansicht Butlers dabei einen guten Job gemacht. Das alles sei für Dell eine gewaltige Herausforderung. Die jüngsten Signale ließen erkennen, wie der Konzern reagieren wird. Butler erwartet eine breit angelegte Initiative zum Aufbau eines indirekten Vertriebskanals. In diesem Metier aber haben die alteingesessenen Hersteller jahrzehntelange Erfahrungen, wenngleich auch bei ihnen vieles nicht optimal laufe. Butler: "Dell wird die Lektion nicht über Nacht lernen."

Wie sich der Trend zur Virtualisierung auf den Server-Markt auswirkt, ist derzeit schwer abzusehen. Nach Butlers Einschätzung wird er das Wachstumstempo allenfalls bremsen. Zwar beobachte er im Markt ein enormes Interesse an einschlägigen Techniken. Doch für einen Rückgang der Verkäufe gebe es keinerlei Anzeichen. Das Hauptargument der Protagonisten laute Server-Konsolidierung, sprich eine bessere Auslastung der Systeme. Butler: "Zehn bis 15 Prozent höhere Auslastung können schon bedeuten, dass ein Unternehmen vier Server weniger anschaffen muss."

Auslaufmodell Mainframe?

Dass Mainframes auf absehbare Zeit vom Markt verschwinden werden, glaubt Butler auch beim Rückblick auf das vergangene Jahr nicht. Wo Unternehmen viel Geld in die Big Irons investiert haben, gebe es schlicht keinen Grund, diese auszutauschen. Im Grunde agiere zwar nur noch ein echter Großrechneranbieter, doch das tue der Sache keinen Abbruch. Im Gegenteil: "IBMs Mainframe-Geschäft läuft fast schon beschämend gut."

Alle anderen einstigen Mainframe-Größen bewegten sich schrittweise weg von der proprietären CMOS-Technik und hin zu offenen Prozessorarchitekturen. Doch auch IBM besitzt Geschäftsbereiche, die so genannte offene Server-Systeme vertreiben. Die unterschiedlich ausgerichteten Einheiten machen sich seit jeher gegenseitig Konkurrenz. Butler drückt es so aus: "Als Unternehmen bleibt IBM eine gespaltene Persönlichkeit."