2,9 Prozent mehr Gehalt für IT-Entscheider

Hans Königes
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
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In Anwenderunternehmen stagnieren die Gehälter, in Beratungs- und Softwarehäusern steigen sie dagegen. Vor allem der variable Anteil wächst überdurchschnittlich.

Vor einem Jahr noch war Tim Böger weit optimistischer, was den Anstieg der Gehälter für IT-Führungskräfte angeht. Der Geschäftsführer der Vergütungsberatung Personalmarkt aus Hamburg, die im Auftrag der COMPUTERWOCHE die Gehälter der IT-Fach- und Führungskräfte eruiert, äußerte damals: "Angesichts des knappen IT-Personals werden die Gehälter auch in den nächsten Jahren stetig steigen." Böger ist in guter Gesellschaft, denn vor einem Jahr hing der Wirtschaftshimmel voller Geigen, und Anzeichen einer Krise waren eigentlich nicht sichtbar.

Heute ist Böger vorsichtig optimistisch. Das Gehaltsniveau bleibe hoch, aber: "Für die nähere Zukunft ist nicht unbedingt mit einem weiteren starken Ausbau der variablen Bestandteile zu rechnen." Seine Begründung: Vergütungsmodelle mit leistungsabhängigen Komponenten sind bereits weit verbreitet. Laut Personalmarkt-Statistiken arbeiten über 70 Prozent der Firmen mit variablen Einkommenselementen. Dieser hohe Prozentsatz werde nicht mehr groß wachsen. Was allerdings weiter ein ständiges Thema bleibe, sei die Individualisierung der Vergütung: "Einzelne Leistungen werden stärker belohnt." Ebenfalls nicht von der Tagesordnung verschwinden werde die Diskussion bezüglich der Transparenz. "Mitarbeiter wollen wissen, warum und wofür mehr gezahlt wird", berichtet Böger.

Pauschale Erhöhungen bilden die Ausnahme. Die aktuelle Untersuchung zeigt deutlich, dass die hohen Grundgehälter stagnieren oder sogar zurückgehen - das Gleiche gilt zum Teil auch für die variablen Elemente. Bestes Beispiel dafür sind die Bereichsleiter in großen Anwenderunternehmen. So verdient ein IT-Bereichsleiter in der Bankenwelt im Durchschnitt 168 000 Euro als Grundgehalt (Vorjahr 165 000 Euro), allerdings reduziert sich sein Bonus, der dazuaddiert wird, im Vergleich zum Vorjahr um 10 000 Euro auf 49 000 Euro im Jahr. Und angesichts der aktuellen Misere in der Finanzwelt ist wohl damit zu rechnen, dass dieser Wert noch einmal sinkt. Nicht besser ergeht es den Kollegen aus der Autobranche. Auch hier hat Personalmarkt einen Rückgang der Boni um durchschnittlich 10 000 Euro auf 39 000 Euro errechnet. Abwärts entwickelt sich auch das Grundgehalt der IT-Bereichsleiter, das um drei Prozent auf 129 000 Euro gesunken ist.

Zu beobachten ist, dass die Unternehmensgröße das Gehalt stark beeinflusst. In den meist mittelständisch organisierten Softwarehäusern verdienen die Topmanager weniger als in Großunternehmen. Allerdings wird diese Schere seit Jahren kleiner, und angesichts der aktuellen Kalamitäten in der Old Economy ist damit zu rechnen, dass sich die Gehälter weiter annähern werden. Das Schlusslicht bilden die Bereichsfürsten in System- und Softwarehäusern mit 121 000 Euro beziehungsweise 116 000 Euro Grundgehalt - immerhin ist dies eine Steigerung um rund zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Weit stärker ist der variable Anteil gewachsen, im Systemhaus um 12 000 auf 31 000 Euro und im Softwarehaus sogar um 16 000 auf 34 000 Euro im Jahr.

Abteilungsleiter verdienen im Durchschnitt deutlich weniger als IT-Bereichsleiter. Besonders krass ist der Unterschied in der Bankenwelt, wo der Abteilungsleiter ein Zielgehalt (Grundgehalt plus Prämie) von 103 000 Euro hat, während der Bereichsleiter 218 000 Euro kassiert (siehe Grafik "Was IT-Führungskräfte verdienen"). Kleiner sind die Unterschiede in der Automobilindustrie, wo der IT-Abteilungschef rund 80 000 Euro weniger als der Bereichsleiter, nämlich 94 000 Euro, nach Hause nimmt. Damit liegt er auf dem Niveau seines Kollegen im Systemhaus und mehr als 2000 Euro über dem des Beratungshauses. Der Gehaltszuwachs bewegt sich in dieser Hierarchiestufe bei drei bis fünf Prozent.

Der Gruppenleiter, eine Hierarchiestufe unterhalb des Abteilungsleiters, bewegt sich mit seinem Jahreszielgehalt im Durchschnitt zwischen 74 000 Euro (Konsumgüterindustrie), 70 000 Euro (Banken) sowie 57 000 und 55 500 Euro (System- und Beratungshäuser). Auf dieser Stufe fallen die variablen Anteile kleiner aus, Gruppenleiter werden nur zu etwa zehn Prozent des Gehalts variabel vergütet.

Eine Klasse für sich bilden die Projektleiter, die sich in der Regel hierarchisch zwischen Abteilungs- und Gruppenleiter bewegen. Angesichts der Zunahme von Projekten in allen Größen und Schwierigkeitsstufen darf sich gelegentlich auch schon ein eingearbeiteter Anfänger als Projektleiter bezeichnen genauso wie ein erstklassiger SAP-Experte, der sich dann gehaltlich schon mal in Geschäftsführer- oder Bereichsleitersphären bewegt. Nachdem die Projektleiter zu den Siegern der vorigen Gehaltsrunde zählten - sie durften 2008 im Durchschnitt neun Prozent mehr Salär nach Hause nehmen als im Vorjahr -, sind sie jetzt wieder in Reih und Glied mit den anderen IT-Kollegen. Ihre Zuwächse liegen je nach Branche zwischen zwei und vier Prozent. Spitzenreiter ist der Projektleiter im Bankenwesen mit 83 600 Euro (Vorjahr 80 750 Euro), und das Schlusslicht kommt aus dem Softwarehaus, wo 61 800 Euro (Vorjahr 59 750 Euro) zu verdienen sind.

Mit etwas weniger Geld als im Vorjahr müssen sich die Verkäufer zufriedengeben. So erreicht ein Vertriebsleiter in der IT-Industrie ein Zielgehalt, also die Summe aus festem und variablem Anteil, von 122 000 Euro (Vorjahr 124 000 Euro), wobei der variable Anteil etwa 40 Prozent ausmacht. Anzumerken ist in diesem Jahr, dass sich die Vergütung für die Verkäufer in kleinen Unternehmen verbessert hat. Sie stieg nämlich im Durchschnitt um acht Prozent auf 101 650 Euro. Weniger glücklich dürften die Verkäufer in größeren Softwarehäusern sein, hier ging der Verdienst im Durchschnitt um fünf Prozent auf 162 000 Euro zurück, liegt aber noch immer weit über dem der Kollegen im Mittelstand.

In einer Sonderauswertung hat Böger herausgefunden, dass der IT-Manager - und damit hat der Vergütungsexperte alle IT-Führungsfunktionen in einen Topf geworfen - in einem Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern 75 500 Euro im Jahr im Durchschnitt verdient, in einem Konzern mit über 20 000 Mitarbeitern dagegen 104 650 Euro. Interessant ist auch eine weitere Sonderauswertung, die zeigt, wie das Gehalt eines IT-Managers im Laufe seiner Karriere wächst. Schafft er mit 30 Jahren 70 000 Euro im Jahr, geht es zunächst rasant nach oben auf 80 000 Euro mit 35 Jahren und 91 000 Euro mit 40 Jahren. Dann verlangsamt sich der Zuwachs, zehn Jahre später beträgt das Gehalt immerhin 103 000 Euro, aber mit 55 Jahren muss sich der Chef mit 106 500 Euro zufriedengeben.

Untersucht wurde auch, in welcher Stadt die höchsten Gehälter gezahlt werden. Hier führt Frankfurt am Main (16 Prozent über dem Durchschnitt) vor München (15,1 Prozent), Stuttgart (12 Prozent), Düsseldorf (11,9), Köln (7,3) und Hamburg (6,7). Vier Prozent unter dem Durchschnitt liegt die Hauptstadt und nicht weniger als 15 Prozent Dresden.

Typische Gehaltsszenarien

Die IT-Gehälter hängen von vielen Faktoren ab: Ausbildung und Berufserfahrung spielen eine wichtige Rolle ebenso wie die Region und die Branche, in der die Firma tätig ist.

Wir haben aus der diesjährigen Gehaltsstudie der COMPUTERWOCHE und der Vergütungsberatung Personalmarkt fünf Beispieldatensätze herausgenommen, um zu zeigen, was einzelne IT-Fach- und -Führungskräfte verdienen. Unabhängig von diesen punktuellen Gehaltszahlen weisen Berater und Personalentwickler darauf hin, dass Geld allein zu keinem glücklichen Berufsleben führt. Ein hohes Einkommen kompensiert auf Dauer keinen langweiligen Job und keinen miesen Chef.

1. Der Softwareentwickler

Alter: 31 Jahre

Ausbildung: Diplomingenieur (FH)

Branche: Finanzdienstleister

Region: Norddeutschland

Prämie: 3400 Euro

Jahresgehalt: 58 000 Euro

2. Die SAP-Beraterin (leitend)

Alter: 37 Jahre

Ausbildung: Diplominformatikerin (Universität)

Branche: Systemhaus

Region: Frankfurt am Main

Prämie: 14 000 Euro

Jahresgehalt: 108 000 Euro

3. Der IT-Abteilungsleiter

Alter: 51 Jahre

Ausbildung: Diplomingenieur (FH)

Branche: Fahrzeugbau

Region: Bayern

Prämie: keine

Jahresgehalt: 76 000 Euro

4. Der Projektleiter

Alter: 45 Jahre

Ausbildung: Diplominformatiker (Uni)

Branche: IT-Systemhaus

Region: Baden-Württemberg

Prämie: 23 000 Euro

Jahresgehalt: 128 000 Euro

5. Der IT-Leiter Alter: 42 Jahre

Ausbildung: Diplominformatiker (Uni)

Branche: Maschinenbau

Region: München

Prämie: 21 000 Euro

Jahresgehalt: 160 000 Euro

Trotz Finanzkrise: Banken zahlen ihren Bereichs- und Abteilungsleitern noch immer die mit Abstand höchsten Zielgehälter.
Trotz Finanzkrise: Banken zahlen ihren Bereichs- und Abteilungsleitern noch immer die mit Abstand höchsten Zielgehälter.