Sinkende Nachfrage nach Standardsoftware

1999 steht im Zeichen der DV-Konsolidierung

12.11.1998
KARLSRUHE (CW) - Mehr Effizienz und Wirtschaftlichkeit in der Datenverarbeitung - auf dieses Ziel laufen im nächsten Jahr die Maßnahmen der meisten IT-Manager hinaus. Nur noch 16 Prozent der befragten DV-Chefs halten es 1999 für nötig, dem Datumswechsel zum Jahr 2000 gesteigerte Aufmerksamkeit zu widmen.

Überraschende Ergebnisse brachte eine Umfrage unter 807 IT-Managern hervor, die von der LOT Consulting GmbH, Karlsruhe, organisiert wurde. Die Leistungsverbesserung der IT-Infrastruktur wird demnach von zwei Dritteln der Befragten in den Vordergrund der Aktivitäten gestellt. 58 Prozent wollen ihre Geschäftsprozesse im nächsten Jahr wirkungsvoller mit Informationstechnik unterstützen.

Die Umstellung der Datenverarbeitung auf das Jahr 2000 halten nur noch 16 Prozent für ein Thema. Die Unternehmensberatung schließt daraus, daß die Hausaufgaben entweder weitestgehend gemacht wurden oder keine Zeit mehr für umfassende Eingriffe in die Computersysteme vorhanden ist. Einige Firmen scheinen darauf zu vertrauen, mit "Erste-Hilfe-Maßnahmen" über die Runden zu kommen. Gar nur jedes zwanzigste Unternehmen bezeichnet die Währungsumstellung auf den Euro als "sehr wichtig".

Die Berater vermuten, daß in den meisten Firmen auf Druck des Jahr-2000-Problems die Software-Umgebung modernisiert oder Standardsoftware eingeführt wurde. Diese Arbeiten seien erst im Groben abgeschlossen worden, jetzt stehe das "Fein-Tuning" bevor. Fast drei Viertel der Befragten wollen ihre Softwarelandschaft verbessern, 55 Prozent planen eine funktionale Ergänzung. Die Nachfrage nach betriebswirtschaftlicher Standardsoftware soll 1999 stark zurückgehen.

Nur noch acht Prozent wollen sich ein Enterprise Resource Planning System (ERP) ê la SAP oder Baan ins Haus holen. Branchenanwendungen hingegen sind auch im kommenden Jahr gefragt, 31 Prozent planen ihre Einführung.

Gute Geschäfte winken den Anbietern von Server-Systemen: Zwei Drittel der Befragten sehen hier im kommenden Jahr einen Modernisierungs- oder Erweiterungsbedarf - offensichtlich fordern die neuen oder erweiterten Software-Umgebungen eine ausgeweitete Rechnerlandschaft.

Für die Planungen im nächsten Jahr steht außerdem das Thema Intranet hoch im Kurs - 40 Prozent wollen sich damit beschäftigen. Auch Groupware- (23 Prozent) und Remote-Lösungen (16 Prozent) treiben die IT-Chefs um. Wachsende Bedeutung kommt ferner der Automatisierung von Prozessen mittels Workflow-Systemen zu, jedes vierte Unternehmen plant entsprechende Projekte. Dagegen setzen sich neue Trends wie Supply Chain Management, Data-Warehouse oder Electronic Commerce vorerst nur zögerlich durch.

Die Unternehmensberatung bilanziert, 1999 werde im Zeichen der Konsolidierung stehen. Die Einführung von Client-Server-Architekturen habe zu einem technischen und organisatorischen Wandel geführt, der erst einmal verdaut werden müsse. In diesem Zusammenhang verwundert es nicht, daß 41 Prozent der Befragten erst einmal ihre Supportkonzepte neu gestalten wollen.

Für das Ziel, Ordnung in die Unternehmens-DV zu bringen, greift jedes zweite Unternehmen tiefer in die Tasche als 1998. Ein um mehr als zehn Prozent erhöhtes Budget wird jedem zehnten DV-Chef zur Verfügung stehen, weitere 37 Prozent wollen ebenfalls mehr ausgeben als 1998. Bei 41 Prozent wird das Budget unverändert bleiben, zwölf Prozent wollen ihre IT-Kosten senken.