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13 Firmen wegen Verletzung der Open-Source-Lizenz GPL verwarnt

18.03.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Noch auf der CeBIT haben 13 Unternehmen einen "blauen Brief" bekommen. Sie erhielten eine schriftliche Verwarnung, weil ihre Produkte die Open-Source-Lizenz GPL (General Public License) verletzen. In ihren Produkten verwenden sie Code, der unter der GPL freigegeben ist. Aber die Firmen haben diesen von ihnen weiterentwickelten Code nicht veröffentlicht und auch nicht die Kunden über die Open-Source-Lizenz informiert. Beides ist nach der GPL vorgeschrieben.

Zu den verwarnten Unternehmen gehören Motorola, Acer, AOpen, Micronet, Buffalo and Trendware. Im Falle Motorolas geht es um den WLAN-Access-Point "WA840G". Bei Acer sollen die Wireless-Produkte "GW-300" und "WLAN-G-RU2" die GPL verletzen. Auch in den anderen Fällen geht es durchweg um Netzwerkprodukte. Motorola hat sich beeilt, zu erklären, man werde das Problem umgehend aus dem Weg räumen. Von anderen Unternehmen gab es keine Stellungnahme.

Verfasser des Warnschreibens ist Harald Welte, Co-Author des im Linux-Kernel enthaltenen Software-Frameworks "netfilter/iptables". Nebenbei betreibt er als One-man-show das "GPL Violations Project". Die Brandbriefe sind die erste von mehreren eskalierenden Maßnahmen, die Unternehmen veranlassen sollen, sich an die GPL-Regeln zu halten. Allein in diesem Jahr hat die schriftliche Verwarnung in 25 Fällen gereicht, Firmen zum Umdenken zu bewegen. Darunter waren Belkin, Fujitsu Siemens, U.S. Robotics, D-Link und Siemens. In zwei Fällen benötigte Welte einstweilige Verfügungen, und gegen die Firma Sitecom gewann er ein Gerichtsverfahren.

Lizenzwidrig verwendet wird unter der GPL veröffentlichter Code zurzeit vor allem in Netzwerk-Equipment, Set-Top-Boxen, Auto-Navigationssystemen und anderer Embedded Software. Welte geht davon aus, dass künftig vor allem bei Storage-Arrays und VoIP-Telefonen die Zahl der GPL-Verletzungen zunehmen wird. (ls)