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1,5 Millionen Handy-Benutzer prellen die Telefon-Zeche

13.06.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Über 1,5 Millionen Handy-Benutzer in Deutschland können sich das vermeintliche Statussymbol nicht leisten. In diesem Jahr werden die TK-Gesellschaften damit Zahlungsaußenstände von 750 Millionen Mark zu beklagen haben. Das sind durchschnittlich 3,5 Prozent ihres Umsatzes. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Hamburger Unternehmensberatung Mummert + Partner. Die Spitzenreiter der TK-Branche verlören durch zahlungsunfähige Mobiltelefonierer sogar bis zu acht Prozent ihrer Einnahmen.

Den Auguren zufolge lassen sich die ausstehenden Posten durch eine systematische Bonitätsprüfung halbieren. Darauf setzen bislang jedoch nur wenige TK-Unternehmen. Um die Zahlungsfähigkeit der Kunden festzustellen, müssten die Firmen eine individuelle Abstimmung ihrer Marketing- und Vertriebsabteilung vornehmen. Zudem würden die Möglichkeiten der Online-Informationsbeschaffung über diverse Datenbanken nicht ausreichend genutzt. Ziel könne es nicht mehr sein, möglichst viele Handy-Verträge abzuschließen, so Mummert + Partner. Der Umfang der Freischaltung sollte sich nach der Bonität des Mobilfunkkunden richten. Je nach dem könnten die Carrier eine Voll- oder Teilfreischaltung vornehmen oder Telefonieren nur über eine Prepaid-Karte gestatten. In Einzelfällen ist es der Studie zufolge derzeit sogar möglich, ein Handy trotz offener Rechnungen bis zu 90 Tage uneingeschränkt zu nutzen.

Eine weitere Gefahr drohe von Seiten organisierter Banden, die sich Mobilfunkverträge erschleichen und im großen Stil missbrauchen. Dabei könnten TK-Anbieter die potenziellen Risikogruppen mit moderner Software zur Analyse von Gesprächsdaten identifizieren. Die Installation sei allerdings mit hohem Aufwand verbunden, den viele Carrier bislang noch scheuen.