Intel stoppt Produktion der Superchips

1,13 Gigahertz - für Intel noch zu schnell

01.09.2000
MÜNCHEN (CW) - Intel hat die Produktion seiner 1,13 Gigahertz schnellen Pentium-III-CPU vorerst eingestellt. Schuld daran sei eine fehlerhafte Software, erklärte ein Unternehmenssprecher. Insider gehen davon aus, dass bereits etwa 10000 CPUs an Rechnerhersteller ausgeliefert wurden.

Der Fehler in der mit 1,13 Gigahertz getakteten Pentium-III-CPU betrifft den Linux-Recompiler sowie den Sysmark-2000-Benchmark. Laut Intel-Sprecher George Alfs könnten betroffene Systeme unter bestimmten Bedingungen abstürzen. Es werde etwa zwei Monate dauern, bis die fehlerhafte Software repariert ist und die Produktion wieder anläuft.

Die Panne trifft den kalifornischen Chiphersteller zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. So stand die schnellste Intel-CPU kurz vor dem Anlaufen der Massenproduktion. Intel hatte die 1,13-Gigahertz-Variante seiner Pentium-III-Familie erst am 31. Juli dieses Jahres offiziell vorgestellt. Außerdem kündigte der schärfste Rivale AMD am selben Tag, als der Intel-Fehler bekannt wurde, an, dass die Massenproduktion seines 1,1 Gigahertz schnellen Athlon-Prozessors angelaufen sei.

Mehr als die finanziellen Einbußen fürchtet das in Santa Clara ansässige Unternehmen den Gesichtsverlust in der Branche. Die Forderungen der OEM-Partner würden dagegen kaum ins Gewicht fallen, beschwichtigt der Intel-Sprecher. Allerdings schweigt sich der Hersteller über die Höhe der möglichen Strafgebühren aus. Analysten wie zum Beispiel Nathan Brookwood von Insight64 gehen jedoch davon aus, dass sich der finanzielle Schaden für Intel in Grenzen halten werde.

Schwieriger zu bewerten sei dagegen der Imageverlust. Dass die Rechnerhersteller über die Panne verärgert reagieren werden, stehe außer Frage, erklärten Insider.

Inwieweit jedoch die Konkurrenz von dem Fehler profitieren könne, sei noch nicht abzusehen. Der Fehler zeige jedoch deutlich, unter welchem Druck Intel stehe, im Rennen um die schnellste CPU mit AMD mitzuhalten. In den letzten Monaten hatte Intel zwar immer wieder mit Lieferproblemen für seine hochgetakteten Prozessoren zu kämpfen. Doch mögliche Fehler konnten durch Tests vor der Auslieferung ausgeräumt werden. Bei seinem Flaggschiff habe der Chipgigant aber geschlampt.

Die Rechnerhersteller äußerten sich bislang zurückhaltend über die jüngste Intel-Panne. Dell-Sprecherin Maria Krinsky erklärte, bis jetzt seien keine Systeme mit dem fehlerhaften Intel-Chip ausgeliefert worden. Kunden, die entsprechende Rechner geordert hätten, werde der texanische Direktanbieter aus Round Rock Intel-CPUs mit einer Taktrate von 1 Gigahertz anbieten.

IBM hat bereits einige Rechner mit dem 1,13 Gigahertz schnellen Chip ausgeliefert, gab Unternehmenssprecher Tim Blair zu. Die Zahl sei allerdings äußerst gering. Zu diesen Kunden werde man in den kommenden Wochen Kontakt aufnehmen, um mögliche Austauschaktionen zu diskutieren, erklärte Blair.